Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2017 geht an Adrian Bird, Guido Kroemer und Laurence Zitvogel

Drei Forschende werden für ihre hervorragenden Leistungen in der onkologischen Grundlagenforschung mit dem Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2017 ausgezeichnet. Adrian Bird von der University of Edinburgh erhält den ersten mit 100'000 Franken dotierten Preis. Guido Kroemer von der Université Paris Descartes und Laurence Zitvogel vom Gustave Roussy Cancer Center in Paris teilen sich die zweite Auszeichnung. Die Preisverleihung findet am 2. Februar 2017 anlässlich des internationalen Charles Rodolphe Brupbacher Symposiums in Zürich.

Das Bild zeigt die Verleihung des Brupbacher-Preises für Krebsforschung 2015
Verleihung des Brupbacher-Preises für Krebsforschung 2015 (Bild: C.R. Brupbacher Stiftung)

Der im Andenken an Charles Rodolphe Brupbacher von seiner Ehefrau Frédérique Brupbacher gestiftete Preis wird im Februar 2017 zum dreizehnten Mal verliehen. Die mit je 100'000 Franken dotierte Auszeichnung gilt als eine der renommiertesten für Forschende der internationalen Krebs-Community. Erneut werden drei herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewürdigt, die mit ihren Arbeiten zum Einfluss von Epigenetik, Zelltod und Darmbakterien auf die Krebsentwicklung bahnbrechende Forschungsresultate erzielt haben. Diese legen die Basis, um Krebs besser zu verstehen sowie um neue, zielgerichtete und wirksame Therapien zu entwickeln.

Zusammenspiel von Genetik und Epigenetik in der Krebsentstehung

Der erste Preisträger, Adrian Bird, ist Professor für Genetik am britischen Wellcome Trust Centre for Cell Biology der University of Edinburgh. Seine Arbeiten konzentrieren sich auf einen bisher wenig erforschten Aspekt der Krebsentstehung: die Interaktion von Genetik und Epigenetik. Methylgruppen, die an die DNA geheftet werden, regulieren die Aktivität einer Vielzahl von Genen. Der Grossteil des menschlichen Genoms trägt solche Methylgruppen. Dazwischen existieren kleine Regionen ohne solche epigenetischen Markierungen, sogenannte CpG-Inseln.

In Tumorzellen werden diese CpG-Inseln häufig methyliert. Diese veränderten Methylierungsmuster führen meist zu einer abnormalen Inaktivierung der betroffenen Gene. Adrian Bird und sein Team untersuchen Proteine, die an die CpG-Inseln binden, und die DNA-Methylierung und weitere epigentische Merkmale beeinflussen. Diese Eiweisse, die das Zusammenspiel von Genom und Epigenom steuern, sind in Krebszellen häufig dereguliert und dürften daher eine wichtige Rolle in der Onkogenese spielen.

Einfluss des Immunsystems auf die Krebsentwicklung und -behandlung

Den zweiten Preis erhalten der Mediziner Giudo Kroemer vom Centre de Recherche des Cordeliers der Université Paris Descartes und die Immunologin Laurence Zitvogel vom Labor für Tumorimmunologie und Immunotherapie des Gustave Roussy Cancer Centers gemeinsam. Im Zentrum ihrer Forschungstätigkeiten steht die Frage, wie das Immunsystem die Entwicklung und die Behandlung von Krebs beeinflusst.

Die Arbeiten von Giudo Kroemer fokussieren auf den programmierten Zelltod, die Apoptose. Dieses Selbstmordprogramm löst eine Zelle aus, sobald sie zu stark geschädigt wird. Ein weiterer Prozess namens Autophagie spielt eine wichtige Rolle darin, wie Zellen die Wirkung von toxischen Substanzen – beispielsweise eine Chemotherapie – überleben. Kroemer und sein Team konnten zeigen, dass das Absterben von Krebszellen das Immunsystem ankurbeln kann, falls zuvor die Autophagie aktiviert wurde. Tumorzellen werden dadurch wieder immunogen, d.h. für die Abwehrzellen «sichtbar», wodurch sie effizient eliminiert werden. Welche Art von Immunreaktion sterbende Krebszellen auslösen, ist somit entscheidend für den Erfolg einer Krebstherapie.

Wirkung von Darmbakterien auf den Erfolg von Antitumortherapien

In mehreren Arbeiten konnten Laurence Zitvogel und ihr Forscherteam zeigen, dass Darmbakterien nicht nur ihre unmittelbare Umgebung, sondern auch die Immunantwort gegen Krebszellen in anderen Körperregionen beeinflussen. Sie konnten nachweisen, dass die Bakterienarten Escherichia hirae und Barnesiella intestinihominis den Behandlungserfolg einer Chemotherapie mit Cyclophosphamid bei Patienten mit Lungen- und Eierstockkrebs deutlich verbessern. Auch Bakterien der Gruppen Bacteroidales und Burkholderiales oder Bifidobacteriales haben einen Einfluss auf die Tumormikroumgebung und unterstützen die Wirksamkeit von Antikörpertherapien gegen Hautkrebs. Dass Darmbakterien auch die körpereigene Immunreaktion gegen Krebszellen ausserhalb des Darms fördern, war bislang unbekannt – und unerwartet.

 

Charles Rodolphe Brupbacher Symposium 2017

Öffentlicher Vortrag «Ist Hautkrebs heilbar?»

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich

Dienstag, 31. Januar 2017, 19:00 bis 20:00 Uhr

Universität Zürich Zentrum, Aula (KOL G 201), Rämistrasse 71, Zürich

 

13. Charles Rodolphe Brupbacher Symposium

«Breakthroughs in Cancer Research and Therapy»

Die thematischen Schwerpunkte des Symposiums sind: Krebs-Genomik, Krebs-Signalüber­mittlung und zielgerichtete Therapie, Genom-Instabilität, Krebs-Epigenetik, Krebs-Stammzellen, Tumor-Mikroumgebung und Tumor-Immunität sowie Krebs-Therapie.

Mittwoch, 1. Februar bis Freitag, 3. Februar 2017

ETH Zürich, Hauptgebäude, Audi Max (HG F 30), Rämistrasse 101, Zürich

In englischer Sprache, Eintritt frei, Platzzahl beschränkt

Anmeldung bis 30. Januar 2017 unter www.brupbacher-foundation.org

 

Verleihung Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2017

Der Preis wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die auf dem Gebiet der Grundlagenforschung hervorragende Leistungen erbracht haben. Preissumme: je CHF 100'000.- pro Person bzw. pro Team

Donnerstag, 2. Februar 2017, 17:15 bis 18:45 Uhr

ETH Zürich, Hauptgebäude, Audi Max (HG F 30), Rämistrasse 101, Zürich

 

Young Investigator Awards

Ausgezeichnet werden bis zu fünf Nachwuchsforschende unter 35 Jahren, die als Erstautor bzw. Erstautorin eines der über hundert Posters für das wissenschaftliche Symposium eingereicht haben, ihr Poster während des ganzen Symposiums ausstellen, präsentieren und aktiv mitdiskutieren. Preissumme: je CHF 2’000.- pro Poster

Freitag, 3. Februar 2017, 11:30 bis 12:00 Uhr

ETH Zürich, Hauptgebäude, Audi Max (HG F 30), Rämistrasse 101, Zürich

 

Zur Stiftung

Die Stiftung hat das Ziel, die Krebsforschung in der Schweiz und international zu fördern. Sie wurde 1991 durch Frédérique Brupbacher im Andenken an ihren an Krebs verstorbenen Gatten Charles Rodolphe Brupbacher ins Leben gerufen. Bis zu ihrem Hinschied im Jahre 2015 präsidierte sie die Stiftung mit viel Engagement. Für ihre letzten Jahre wurde die von ihr gegründete Stiftung zu ihrem wichtigsten Lebensinhalt. Entsprechend brachte sie sich in deren Entwicklung sehr aktiv ein und konnte an den ersten elf wissenschaftlichen C. R. Brupbacher Symposia persönlich anwesend sein und die Charles Rodolphe Brupbacher Preise
übergeben.

 

Die Tätigkeit der Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung beinhaltet im Wesentlichen im Zweijahresrhythmus:

-  die Verleihung des Charles Rodolphe Brupbacher Preises für Krebsforschung;

-  die Durchführung des wissenschaftlichen C. R. Brupbacher Symposiums in Zürich;

-  die Verleihung von maximal fünf Charles Rodolphe Brupbacher Young Investigator Awards;

-  den Vortrag über Krebsforschung für die Öffentlichkeit in deutscher Sprache.

 

Der Sitz der Stiftung ist in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein. In wissenschaftlichen Belangen arbeitet sie eng mit der Universität Zürich, insbesondere mit der medizinischen Fakultät zusammen. Die Universität Zürich und das Universitätsspital gehören in der Krebsforschung und -behandlung zur Weltspitze. Eines der Ziele des wissenschaftlichen C. R. Brupbacher Symposiums ist es auch, Zürich als Forschungsstandort für Onkologie zu stärken und den internationalen Austausch von Wissenschaftlern in Zürich zu fördern.