UZH und Pädagogische Hochschulen bilden erstmals gemeinsam Doktorierende in Fachdidaktik aus

Für Lehre und Forschung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung fehlt es an wissenschaftlich qualifizierten Fachdidaktikern. Deshalb arbeiten die Universität Zürich und die Pädagogischen Hochschulen Graubünden, Schwyz, St.Gallen, Zug und Zürich erstmals eng zusammen, um Doktorierende in Fachdidaktik gemeinsam auszubilden. Ihre Forschungsarbeit leisten sie primär an einer Pädagogischen Hochschule, den Doktortitel erlangen sie an der UZH.

Die Illustration zeigt ein Fachdidaktik-Seminar
Die Kooperation von UZH und fünf Pädagogischen Hochschulen verbessert die Promotionsmöglichkeiten in Fachdidaktik. (Illustration: Stephan Liechti)

Das Promotionsrecht ist in der Schweiz den Universitäten vorbehalten. Gleichzeitig müssen Fachhochschulen (FH) und Pädagogische Hochschulen (PH) ihren Nachwuchs wissenschaftlich qualifizieren, um den Ansprüchen an Hochschulen gerecht zu werden. Immer öfter wird von den Dozierenden an FH/PH deshalb ein Doktortitel als akademische Mindestqualifikation vorausgesetzt. Beispielhaft zeigt sich diese Situation im Bereich der Fachdidaktik. Lehrkräfte brauchen nicht nur Kenntnisse in ihrem Fach und in Pädagogik, sie müssen auch wissen, wie man den fachspezifischen Unterricht plant, durchführt und analysiert. Promovierte fachdidaktische Expertinnen und Experten gibt es in der Deutschschweiz noch zu wenige.

Doktortitel in Fachdidaktik dank enger Zusammenarbeit von UZH und PH

Um dem entgegenzuwirken, arbeiten die UZH und die PH Graubünden, Schwyz, St.Gallen, Zug und Zürich zukünftig eng zusammen. «Ziel ist es, die Promotionsmöglichkeiten in Fachdidaktik dank der Kooperation der beteiligten Hochschulen substanziell zu verbessern», sagt Elisabeth Moser Opitz, Programmdirektorin Doktorate am Institut für Erziehungswissenschaft der UZH. Gleichzeitig soll diese Zusammenarbeit den Aufbau der wissenschaftlichen Fachdidaktik in der Schweiz unterstützen und die Vernetzung von Fachkräften und Institutionen stärken. Ermöglicht wird dies durch ein von swissuniversities lanciertes Programm, das den Aufbau von Kooperationen in der Ausbildung von Doktorierenden zwischen Universitäten und FH/PH fördert.

Angelegt ist die Ausbildung für gut 20 Doktorierende, die ihre Forschungsarbeit bereits im Sommer 2017 beginnen können. Die Einschreibung erfolgt am Institut für Erziehungswissenschaft, und der Doktortitel wird durch die Philosophische Fakultät der UZH vergeben. Der Grossteil der Dissertation wird an einer Pädagogischen Hochschule erstellt.

Ausbildung und Betreuung erfolgen neu gemeinsam

«Betreut werden die Doktorierenden sowohl durch Professorinnen und Professoren der UZH wie neu auch durch wissenschaftlich qualifizierte Dozierende bzw. Professorinnen und Professoren der Pädagogischen Hochschulen», erläutert Elisabeth Moser Opitz. Auch für das fachliche Ausbildungsangebot sind die beteiligten Hochschulen gemeinsam verantwortlich. Im Zentrum stehen fachdidaktische Kolloquien sowie Modulangebote zur Förderung von fachdidaktischen, methodischen und überfachlichen Kompetenzen.

Zusammenarbeit statt Konkurrenzdenken

Gut ausgebildete Nachwuchskräfte in Fachdidaktik sind für Lehre und Forschung an den Pädagogischen Hochschulen von grosser Bedeutung. Für die Lehre braucht es fachdidaktisch kompetente Dozierende, die eine qualitativ hochstehende Ausbildung für Lehrkräfte auf allen Schulstufen – ob Primar- oder Sekundarstufe, Gymnasien oder Berufsschulen – anbieten. Da die Unterrichtsforschung in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, besteht zudem Bedarf an forschungsorientierten Expertinnen und Experten im Bereich der Fachdidaktiken. «Diesen Entwicklungen wollen die UZH und die Pädagogischen Hochschulen mit den kooperativen Doktoraten Rechnung tragen», betont Heinz Rhyn, Rektor der PH Zürich. Zugleich ist das neue Programm auch ein wichtiger Schritt, um die Zusammenarbeit zwischen Universität und Pädagogischen Hochschulen zu verbessern.

Kooperationsprogramm von swissuniversities

Basierend auf dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz hat swissuniversities im Herbst 2016 das Programm «Kooperation zwischen Schweizer Fachhochschulen/Pädagogischen Hochschulen (FH/PH) und universitären Hochschulen (UH) im Bereich des Doktorats» initiiert. Ziel ist es, dass FH/PH und UH gemeinsam Doktorierende ausbilden und betreuen. Indem die beteiligten Partner ihre spezifischen Fachkenntnisse in der Betreuung von an FH/PH tätigen Doktorierenden einbringen, wird die Qualität der Doktoratsausbildung sichergestellt. Im April 2017 hat swissuniversities die ersten, gemeinsam von UH und FH/PH erarbeiteten Kooperationsprojekte für die Jahre 2017–2021 genehmigt. Die Doktoratsausbildung Fachdidaktik ist eines von elf finanzierten, schweizweiten Kooperationsprojekten.

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