Neues Zentrum für Medical Humanities: Universität Zürich stärkt gesellschaftliche und ethische Aspekte in der Medizin

Die Universität Zürich ordnet zwei Bereiche der medizinischen Fakultät neu: Sie verbindet das Institut für Biomedizinische Ethik und den Lehrstuhl für Medizingeschichte zu einem Zentrum für Medical Humanities. Das Fachgebiet befasst sich mit den gesellschaftlichen und ethischen Problemstellungen der modernen Medizin. Gleichzeitig wird die Evolutionäre Medizin aufgewertet. Diese ist darauf ausgerichtet, aus der Entwicklungsgeschichte menschlicher Krankheiten Erkenntnisse für die heutige Medizin zu gewinnen. Dazu wird das bisherige Zentrum für Evolutionäre Medizin zu einem eigenen Institut, dem auch die bisherige medizinhistorische Objektsammlung und das Medizinhistorische Museum angegliedert werden. Dieses soll als Medizinmuseum neu allen medizinischen Fachrichtungen offenstehen.

Die Bildung des Zentrums für Medical Humanities und Aufwertung der Evolutionären Medizin zu einem eigenen Institut erfolgt durch die Aufteilung des bisherigen Medizinhistorischen Instituts und Museums. Dessen bisheriger Leiter, Prof. Flurin Condrau, wird im Zentrum für Medical Humanities den Lehrstuhl für Medizingeschichte führen. Das Zentrum für Medical Humanities – offizielle Bezeichnung «Center for Medical Humanities» – wird von Prof. Nikola Biller-Andorno geleitet werden, die dem Institut für Biomedizinische Ethik vorsteht. Dieses wird wie auch das Archiv und die Bibliothek des bisherigen Medizinhistorischen Institutes in das neue Zentrum eingegliedert.

«Ethische, gesellschaftliche und soziale Aspekte des Arztberufs gewinnen fortlaufend an Bedeutung», begründet der Rektor der Universität, Prof. Michael Hengartner, die Schaffung des neuen Zentrums. «Unsere Studierenden sollen deshalb nicht nur in medizinisch-wissenschaftlicher Hinsicht eine erstklassige Ausbildung erhalten, sie sollen auch bezüglich der gesellschaftlichen Dimensionen ihres Berufs zu kritischen und unabhängigen Denkern ausgebildet werden.» Mit dem neuen Zentrum für Medical Humanities, das eine ganzheitliche Forschung und Lehre in diesem Bereich zum Ziel hat, folgt die Universität Zürich dem internationalen Trend. Das Zentrum für Medical Humanities der UZH ist das erste dieser Art an einer schweizerischen Hochschule.

Evolutionäre Medizin: Aus der Geschichte für die moderne Medizin lernen

Aufgewertet wird auch die Evolutionäre Medizin, die sich mit der Entwicklungsgeschichte von menschlichen Krankheiten und des menschlichen Körpers befasst, um daraus auch Erkenntnisse für die moderne Medizin zu gewinnen. Dies geschieht zum Beispiel anhand der Erforschung antiker DNA. Gleich wie die Medical Humanities ist auch die Evolutionäre Medizin ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das neben medizinischen auch naturwissenschaftliche Bereiche umfasst. Die Leitung des neuen Institutes wird Prof. Frank Rühli übernehmen, der bereits dem Zentrum für Evolutionäre Medizin vorstand. Das Medizinhistorische Museum und die Objektsammlung werden dem neuen Institut für Evolutionäre Medizin angegliedert.

«Das neue Institut gewährleistet eine professionelle und ethisch korrekte Betreuung der mehreren Tausend medizinhistorischen Präparate menschlichen Ursprungs», begründet Prof. Felix Althaus, der im Auftrag der Universitätsleitung das Projekt leitete, die Integration der medizinhistorischen Objektsammlung in das Institut für Evolutionäre Medizin.

Aus Medizinhistorischem Museum wird Medizinmuseum mit neuem Konzept

Für die zukünftige Ausgestaltung des Medizinmuseums wird jetzt ein Konzept entwickelt. Beabsichtigt ist gemäss Althaus «ein Museum zu schaffen, das mit einem variablen Ausstellungskonzept allen medizinischen Fachgebieten offen steht und einer breiteren Öffentlichkeit wissenschaftliche Entwicklungen in der Medizin näher bringt.»

Mit der Reorganisation soll zudem sichergestellt werden, dass die ethischen, fachlichen und räumlichen Anforderungen des seit 1. Januar 2014 gültigen Humanforschungsgesetzes umgesetzt werden. Dies geschieht auch im Rahmen der Sanierung der medizinhistorischen Objektsammlung, für welche die Universitätsleitung kürzlich eine Million Franken gesprochen hat. Vorangetrieben werden soll auch die konsequente Digitalisierung der Sammlung; bisher sind nur rund zwei Prozent der Sammlung digital erfasst worden.

Die vorgesehenen Neuerungen werden voraussichtlich auf das Herbstsemester 2014 umgesetzt.