UZH wird zum Experimentalraum für Kunst und Wissenschaft

Wie befasst sich die Wissenschaft mit gesellschaftlichen Fragen? Wie setzen sich Künstler damit auseinander? Als grösster Parallel Event der Kunstbiennale «Manifesta11» bringt die Universität Zürich vom 11. Juni bis zum 10. Juli beide Welten zusammen: In der Ausstellung «Transactions» treffen internationale Kunst und aktuelle Forschung aufeinander. Podiumsgespräche, Kinderanimationen, Konzerte und Verpflegung sorgen zudem auf der Terrasse Künstlergasse 12 für Unterhaltung.

Pavillon an der Künstlergasse 12
Auf der Terrasse der Künstlergasse 12 findet ein reichhaltiges Rahmenprogramm zur Ausstellung «Transactions» statt. Bild UZH / Caspar Tührler

Geld, Glück, Gesundheit und Gerechtigkeit – dies sind Themen, die uns alle angehen. Rund um den Titel der Manifesta «What people do for money» vereint die Ausstellung «Transactions» im Lichthof der Universität Zürich über 30 Nachwuchsforschende und Künstler.

Als Ort der Neugierde, des Analysierens und des Wissens trägt die Universität Zürich massgeblich zum Verständnis der Welt bei. Wirtschaftswissenschaftler untersuchen etwa, wie sich Märkte, Geld, Arbeit und persönliche Entscheidungen zueinander verhalten. Psychologinnen erforschen den Zusammenhang zwischen Arbeit und Lebenszufriedenheit, Mediziner fragen nach den Auswirkungen auf die Gesundheit. Ethnologen, Juristinnen und Ethiker setzen sich mit der globalen Verteilung von Geld und Gerechtigkeit auseinander.

Austausch von künstlerischen und wissenschaftlichen Denkweisen

Für «Transactions» arbeiten einige der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals mit Kunstschaffenden zusammen. Dabei sind künstlerische Installationen entstanden, die neugierig machen, zum Lachen reizen oder nachdenklich stimmen. Zusammen mit Werken von international bekannten Künstlern wie Richard Ibghy & Marilou Lemmens, Niklas Nitschke & Vadim Zakharov oder Studio Camp ist eine stimulierende Transaktion zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Denk- und Sichtweisen zu folgenden Themen entstanden:

Geld lässt sich vermeintlich gegen alles tauschen. In ihrer kontroversen Videoarbeit «About negotiation» fragt etwa das Zürcher Künstlerduo Baltensperger+Siepert, was wichtiger ist: Geld oder emotionale Bindung. Gleichzeitig konfrontieren Forschende vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich die Besucherinnen und Besucher in ihrem Live-Experiment «What do YOU do for money?» mit der Frage, wie Geld ihre Entscheidungen beeinflusst. Während die Künstlerin Rosalie Schweiker für ein kleines Entgeld den Besuchenden ihre Zukunft aus Tarot-Karten liest, analysiert der Ethnologe Stefan Leins, was der Erfolg von Finanzanalysten mit gutem Geschichtenerzählen zu tun hat. Und das kanadische Künstlerduos Richard Ibghy & Marilou Lemmens stellt die vermeintlich objektiven Wirtschaftsstatistiken mit überlebensgrossen Diagramme in Frage.

Glück stützt sich nicht unbedingt auf den beruflichen Erfolg. Die Psychologin Anja Lehmann zeigt, dass Menschen in der freiwilligen Feuerwehr ihr Leben sinnerfüllter wahrnehmen als Berufsfeuerwehrleute. Die Videoarbeiten von Julika Rudelius befassen sich mit dem vermeintlichen Glück, das durch Reichtum und teils absurden Ritualen ausgelöst wird. Und die beiden international bekannten Künstler Niklas Nitschke und Vadim Zakharov gehen sogar soweit, dass sie dem Zürcher Publikum erlebbares Glück in einer randständigen Region Deutschlands verkaufen wollen – mit einer «Geld-zurück-Garantie».

Gesundheit am Arbeitsplatz wird vielfach mit Effizienzsteigerung gekoppelt. Die Historikerin Brigitta Bernet interessiert sich für die psychologischen Auswirkungen des Arbeitsumfelds, während die mutierten Büromöbeln «Fit vor Purpose» der Künstlerin Valentina Stieger die ergonomische Normierung der Arbeit auf witzige Art kommentieren. Luc Smolders von der Vetsuisse-Fakultät erforscht die Bandscheiben-Degeneration bei Hunden, umgesetzt in einer doppeldeutigen Installation der Künstler «Pause ohne Ende».

Gerechtigkeit ist für wirtschaftliche Aktivitäten grundlegend. Die Wirtschaftsethikerin Marianthe Stavridou erforscht die Rechte und wirtschaftlichen Chancen von Flüchtlingen in der Schweiz, der Politgeograph Stephan Hochleithner die Lebensumstände binnenvertriebener Menschen im Kongo. Den Vertriebenen bleibt oft nur noch, ihren Körper zu verkaufen – künstlerisch umgesetzt mit einer (Warte-)Bank, auf welcher der Körperabdruck noch lange zu sehen ist.

Konzerte und Podiumsdiskussionen

Für leise und lautere Klänge sorgt die eigens für die Ausstellung im Lichthof realisierte begehbare Installation «Sound of Science» des Basler Tonkünstlers Fritz Hauser. Er hat sich in den Laboren und Arbeitsplätzen der Universität nach Geräuschen umgehört und sie zu einem sich immer neu zusammensetzenden Klangkonzert verbunden. Als Gast auf dem Dachgarten der Mensa der Universität Zürich hat sich Simon Heusser zu sogenannten «Paradise Retreats» zur Erholung inspirieren lassen. In den Hörsälen laden Forschende und Künstler ebenso zu Podiumsgesprächen ein wie das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) oder das Übersetzerhaus Looren, das live Literaturübersetzungen anbietet.

Auf der Terrasse vor der Universität an der Künstlergasse 12 wird täglich frische Pasta zubereitet, eine Cocktailbar eingerichtet und eine Konzertbühne bespielt. An den Wochenenden finden Brunchs und Kinderprogramme mit Siebdrucken, Origamifalten und Museumsmobil statt.  

Die Ausstellung wird vom «Graduate Campus» der UZH mit Geldern der Stiftung Mercator Schweiz realisiert.

Medienführungen auf Anfrage

Wir bieten gerne individuelle Medienführungen durch die Ausstellung an.


Ausstellung

 «Transactions» vom 11.6. bis 10.7.2016
Hauptgebäude Universität Zürich (Lichthof)
Künstlergasse 12
Öffnungszeiten: Mi-Fr: 11-22 Uhr; Sa, So: 11-19 Uhr
Eintritt frei
individuelle Führungen auf Anfrage

www.manifesta11.uzh.ch

Audioguide Ausstellung (für Smartphones / Tablets)


Podiumsgespräche, Konzerte und Kinderprogramm

Auf der Terrasse der Künstlergasse 12 sowie in den Hörsälen findet ein reichhaltiges Rahmenprogramm statt.