Zweiter Forschungsflug in die Schwerelosigkeit

Morgen findet bereits zum zweiten Mal ein Parabelflug ab Schweizer Boden statt. Mit an Bord sind Experimente verschiedener Schweizer Universitäten, um die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf biologische und physikalische Vorgänge zu erforschen sowie Technologien zu testen. Mit diesem erneuten Flug innerhalb eines Jahres vom Militärflugplatz Dübendorf aus ist die von der Universität Zürich initiierte Schweizer Forschungsstation für Schwerelosigkeit gut gestartet.

Prof. Ullrich und Prof. Gassmann von der UZH während des ersten Parabelfluges.
Prof. Oliver Ullrich und Prof. Max Gassmann von der UZH während des ersten Parabelfluges. (Bild: UZH)

Vor einem Jahr führte die Universität Zürich ihren ersten Parabelflug ab Schweizer Boden zu Testzwecken durch, nun geht es wieder zur Erforschung der Schwerelosigkeit in die Luft: Morgen Samstag startet erneut ein Airbus «A310 ZERO-G» vom Militärflugplatz Dübendorf, bestückt mit wissenschaftlichen Experimenten der Universitäten Zürich, Basel, Luzern sowie der ETH Zürich. Über dem Mittelmeer wird das Flugzeug in bestimmten Flugzonen durch spezielle Manöver einen schwerelosen Zustand erzeugen. In diesen Parabeln – abwechselnd steile Aufstiege und Sinkflüge – wird während jeweils 22 Sekunden die Erdanziehungskraft überwunden. In dieser kurzen Phasen können an Bord diverse Experimente durchgeführt werden.

Experimente von Wissenschaft und Industrie

Parabelflüge sind für die Forschung unter veränderter Schwerkraft unerlässlich: Es können fundamentale Erkenntnisse über die Rolle der Schwerkraft bei biologischen oder physikalischen Vorgängen gewonnen werden. So untersucht die UZH, wie das menschliche Gewebe auf den Sauerstoffmangel in der Schwerelosigkeit reagiert – eine wichtige Frage bei Aussenbordeinsätzen im Weltraum. Die Hochschule Luzern forscht mittels elektrophysiologischer Tests an den Mechanismen der Schwerkraftwahrnehmung von Zellen. Eine Gruppe von Chiropraktoren der Universitätsklinik Balgrist prüft funktionale Zusammenhänge beim Entstehen von Erkrankungen des Rückens. Diese können unter Schwerelosigkeit besser identifiziert werden. Ein weiteres Experiment der ETH Zürich widmet sich der Rolle der Schwerkraft beim Verhalten von Phytoplankton und soll damit zum Verständnis eines der der wichtigsten ozeanischen Mikroorganismen der Erde beitragen.

Neben diesen «irdischen» Experimenten zielt eines auch ins All: Die Universität Basel testet das Sedimentationsverhalten unter der Schwerkraft des Mars und erhält damit wichtigen Daten zur Kalibrierung von mathematischen Modellen, um die Umweltgeschichte des Planeten rekonstruieren zu können. Für die Raumfahrtindustrie ist der Forschungsflug ebenfalls attraktiv: Ein Experiment des Schweizer Start-ups SpacePharma testet wissenschaftliche Hardware, die auf Kleinsatelliten eingesetzt werden soll.

Forschungsplattform für Schwerelosigkeit etabliert

«Mit diesen Forschungseinsätzen etablieren sich die von der UZH initiierten «Swiss Parabolic Flights» in der Schweiz», sagt Prof. Oliver Ullrich von der Universität Zürich. Er leitet die Plattform für wissenschaftliche Forschung in Schwerelosigkeit, die vom «Swiss Space Office» des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ebenfalls unterstützt wird. Dank der flexiblen Kombination von Forschung aus Universitäten, industriellen Experimenten und Privatpersonen können die Flugkosten für die Wissenschaft gering gehalten werden. Zur Durchführung der Forschungsflüge in die Schwerelosigkeit arbeiten Novespace, eine Tochterfirma der französischen Raumfahrtagentur CNES, die Schweizer Luftwaffe, das Air Force Center in Dübendorf, die Swissport und die «Swiss SkyLab Foundation» eng zusammen.