Privatbanken sollten nachhaltige Anlagen proaktiver fördern

Nachhaltige Investitionen nehmen zu – aber zeigen sie auch Wirkung? Der neue UZH-Bericht über nachhaltige Anlagemöglichkeiten fordert Schweizer und europäische Privatbanken dazu auf, ihre Angebote besser auf die Bedürfnisse der Anleger und auf den Umweltschutz auszurichten. So sollten Kundenberater intensiver geschult und mehr Produkte mit messbarem Wirkung angeboten werden.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen mit realwirtschaftlichen Auswirkungen wächst.
Die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen mit realwirtschaftlichen Auswirkungen wächst. (Bild: Istock.com/x-reflexnaja)

Die dritte Ausgabe des Berichts «Sustainable Investing Capabilities of Private Banks» untersucht die Kompetenz von Privatbanken bei nachhaltigen Investitionen anhand ihrer Visionen, Angebote und Dienstleistungen. Er wird vom Center for Sustainable Finance and Private Wealth (CSP) der Universität Zürich veröffentlicht und umfasst 20 schweizerische und europäische Finanzinstitute wie etwa UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank, BNP Paribas und Barclays.

Nachhaltige Anlageangebote verbessern sich

Der Trend, nachhaltige Investitionsangebote auszubauen, wird sich aufgrund der steigenden Nachfrage des Marktes und der Intensivierung des Wettbewerbs fortsetzen. Im Vergleich zu 2018 stieg die durchschnittliche Anzahl der nachhaltigen Anlagefonds pro Bank von 30 auf 58. Die Banken entwickelten bessere Angebote und stellen ganze Portfolios zusammen, die einzig aus nachhaltigen Anlagen bestehen. Dennoch betragen die in nachhaltigen Anlagen eingesetzten Vermögenswerte immer noch einen Bruchteil – im Median 2,8 Prozent – des gesamten verwalteten Vermögens der untersuchten Banken.

«Auch wenn das Angebot generell zunimmt, sind etwa Kundenbindung oder Impact Reporting noch unterentwickelt», sagt Taeun Kwon, Hauptautorin des Berichts und Leiterin der Wealth Manager Programme des Zentrums für nachhaltige Finanzen und Privatvermögen der UZH. Die Banken hätten Mühe, die Lücke zu schliessen zwischen der Bewerbung ihrer Anlageoptionen mit hohem ökologischen, gesellschaftlichen und staatlichen Impact und dem Beleg, welche Veränderungen diese Investitionen bewirken.

Schwaches Interesse an aktiver Stimmrechtswahrnehmung

Die aktive Einbindung der Aktionäre wird in der Investmentbranche zunehmend zur Norm. Trotzdem stellt der Bericht fest, dass die Privatbanken zu wenige Fondsmanager auswählen, die sich für Nachhaltigkeitsaspekte engagieren und in den Aktionärsversammlungen entsprechend abstimmen. «Die Banken sollten sich ernsthaft um eine aktive Beteiligung der Aktionäre bemühen und sicherstellen, dass die Aktionäre die Werte und Zukunftserwartungen, die ihre Investitionen leiten, in die Entscheide des investierten Unternehmens einfliessen», stellt Kwon fest.

Nachhaltigkeit hat oft zu geringe Managementpriorität

Ein wichtiger Engpass, um mehr Vermögen in nachhaltige Anlagen fliessen zu lassen, sind nach wie vor die Kapazität und das Know-how von Kunden- und Anlageberatern. Wie bereits letztes Jahr wurde im Bericht auf die begrenzten Ausbildungsmöglichkeiten hingewiesen. Auch die Tatsache, dass nachhaltige Investitionen noch immer nicht als strategische Managementpriorität eingestuft werden, spielt eine grosse Rolle. In den meisten Fällen beschränkt sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Bank auf einen kurzen Blick auf Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Ratings. Es fehlen detaillierte Einschätzungen zu den Auswirkungen der Investition und zu den Modalitäten, die das Engagement der Investoren unterstützen. Nur ein Drittel aller teilnehmenden Banken führt obligatorische Schulungen für ihre Kundenberater und -beraterinnen durch, und selbst dann dauert die Schulung oft nur 1–3 Stunden, was zu wenig ist bei diesem umfassenden Themenbereich.

Internationale Vereinbarungen erfordern Massnahmen

Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Aktionsplan zur Förderung eines nachhaltigen Wachstums wird sich ebenfalls auf die gesamte Finanzbranche auswirken. Im Bericht werden zum Beispiel die Angleichungen der Banken an international vereinbarte Umweltziele wie das Pariser Abkommen erfasst. «Andere Finanzunternehmen sind aktiv dabei, ihre Prozesse an die neuen Umweltrichtlinien anzupassen», stellt Kwon fest. «Aber nur wenige Privatbanken verfolgen einen proaktiven Ansatz und überlegen sich, wie sie ihre Kunden und die Gesellschaft dabei unterstützen können, diese Ziele zu erreichen.»

Privatbanken setzen Veränderungen nicht proaktiv um

Dem Bericht zufolge liegt der Fokus der Privatbanken eher auf der klimabasierten Risikoexposition des Anlageportfolios als auf der Ausrichtung an internationalen Klimazielen. Banken bezeichneten es immer wieder als komplex und herausfordernd, über die Portfolio-Risikobewertung hinauszugehen.

Der Bericht lässt keinen Zweifel daran, dass den Privatbanken eine zentrale Rolle dabei zufällt, Gelder für eine nachhaltige Entwicklung und zur Erreichung der Klimaziele zu mobilisieren. «Die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen mit realwirtschaftlichen Auswirkungen wächst. Das unterstreicht unsere Forschung mit Vermögensverwaltern. Der Markt ist bereits da», schliesst Kwon.

Der Bericht wird am Dienstag, dem 5. November, im Restaurant UniTurm (Rämistrasse 71, Zürich) von 17.30–20.00 Uhr veröffentlicht. Wer an der Veranstaltung teilnehmen möchte, meldet sich bitte hier an.