Wettbewerbsfähige Schweizer Private Banking Anbieter

Die heute veröffentlichte «International Private Banking» Studie des Swiss Banking Institute der Universität Zürich, untersucht die Wettbewerbsfähigkeit von 156 Private Banking Anbietern aus neun Ländern (Benelux-Staaten, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Liechtenstein, Österreich, Schweiz und USA). Nach schwierigen Jahren können Schweizer Private Banking Anbieter dank einer höheren Profitabilität einerseits und der erreichten guten Rendite für ihre Kunden anderseits mit einer wieder gewonnenen, hohen Wettbewerbsfähigkeit aufwarten.

Profitabilität
Die Margen im Private Banking erreichen fast wieder die gleichen Werte wie vor dem Markteinbruch vor vier Jahren. Die Wirkung des oft zitierten Margen- und Wettbewerbsdrucks scheint hierbei durch die Wiederbelebung des Marktes mehr als wettgemacht zu werden. Die Profitabilität hat sich dementsprechend auch wieder verbessert: die durchschnittliche Eigenkapitalrendite ist in den Benelux-Staaten am höchsten (29.3%), gefolgt von den USA (23.6%), der Schweiz (19.7%), Grossbritannien (19.6%) und Frankreich (19.5%). Da allerdings die Schweizer Banken (wie auch die Liechtensteinischen) eine wesentlich höhere Eigenkapitalausstattung aufweisen, wären die Eigenkapitalrenditen bei gleicher Eigenkapitalausstattung wie die der Konkurrenz weitaus höher.

Operationelle Effizienz
Die operationelle Effizienz im Private Banking hat im Zuge der vermehrten Steuerung durch Buchhaltungsgrössen während den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Generell hat sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis (Hauptmasszahl für die Effizienzmessung) auf dem gleichen Niveau stabilisiert wie vor dem Platzen der Internet-Bubble (ca. 65%). Der Gesamtertrag pro Mitarbeiter ist bei Schweizer und Liechtensteinischen Banken am höchsten. Dies lässt sich auf die höheren durchschnittlichen Kundenvermögen pro Mitarbeiter in diesen beiden Ländern zurückführen. Private Banking Anbieter aus der Schweiz, Liechtenstein und den USA haben die grösste Wertschöpfung gemessen am Stakeholder Einkommen (Reingewinn plus Steuern plus Personalaufwand). Da die meisten Private Banking Anbieter nicht an der Börse gehandelt werden, erübrigt sich die Messung des Shareholder Values.

Anlagerendite
Die mit den Kundengeldern erzielte Rendite wird mit der gewichteten Rendite aller Anlagefonds von Privatbanken eines Landes geschätzt. Schweizer und amerikanische Banken befinden sich hierbei im oberen Drittel der Performance-Rangliste. Im wichtigsten Vergleich – der langfristigen netto Performance – klassiert sich die Schweiz knapp hinter den USA. In der Kategorie der gemischten Anlagefonds über einen Zeitraum von fünf Jahren führen die Schweizer Banken die Rangliste an. Im Vergleich zur ersten Studie haben nur die Schweizer Banken ihre durchschnittliche Netto-Überrendite erhöhen können. Berücksichtigt man auch die eingegangen Risiken, verschlechtert sich vor allem die Rangierung der amerikanischen Banken.

Grösse und Wachstum
Die Studie untersucht, wie Grösse, Profitabilität, Effizienz und Wachstum allenfalls im Zusammenhang stehen. Insgesamt lässt sich nur begrenzte Evidenz für Skalenvorteile, gemessen an der Profitabilität, finden. Keinen Einfluss hat Grösse auf die Effizienz im Private Banking – gemessen am Kosten-Ertrags-Verhältnis. Grössen und Wachstumsvariablen sind ebenfalls nicht positiv korreliert. Allerdings kann ein signifikanter Zusammenhang zwischen der erzielten Überrendite auf den Anlagegeldern und dem Neugeldwachstum festgestellt werden. Dies deutet darauf hin, dass auch im Private Banking überdurchschnittliche Anlageperformance Neugeld anzieht.

Fazit
Die sich verändernde Private Banking Landschaft ist durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, welche die Gewinner klarer denn je von den Verlierern trennt. Diese Entwicklung bringt zusätzliche Unvorhersehbarkeit und Volatilität in eine bereits hart umkämpfte Branche. Die Vormachtsstellung der Schweizer Banken wird anhand wichtiger Indikatoren wie dem Gesamtertrag oder den verwalteten Vermögen pro Mitarbeiter deutlich. Der Trend hin zu einem internationaleren Wettbewerb fordert diese Stellung aber auch heraus. Die Schweiz ist Synonym für heutige Tugenden im Private Banking: Die Frage bezüglich zukünftigen Wachstumspotentialen bleibt allerdings offen. Der Autor der Studie, Dr. Teodoro D. Cocca, bemerkt abschliessend: ”Die Schweizer Banken haben bewiesen, sich den Wettbewerbsbedingungen sehr gut anpassen zu können, dies kann als Gewähr betrachtet werden, dass die richtige Balance zwischen Profitabilität und Wachstum auch in Zukunft gefunden wird.”

nullDie Studie “The International Private Banking Study 2005” (in Englischer Sprache) kann unter www.isb.unizh.ch kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.null