Forscher der Universität Zürich beweist Todesursache von Ötzi

Ein italienisch-schweizerisches Forscherteam unter Mitbeteiligung von Dr. Dr. Frank Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich hat die Todesursache des Mannes aus dem Eis (Ötzi, 3300 v. Chr.) mit modernster Röntgentechnik beweisen können. Mittels Multislice-Computertomografie konnte die Verletzung einer grossen schulternahen Arterie nachgewiesen werden. Damit ist die Todesursache der weltweit berühmten Gletschermumie wohl definitiv geklärt ist. Diese wissenschaftliche Arbeit ist aktuell im «Journal of Archaeological Science» online erschienen und wird auch in der Titelgeschichte der Juli-Ausgabe des Magazin «National Geographic» dargestellt.

Der Eismann ist eine einmalig gut erhaltene spätneolithische Gletschermumie, die im Jahre 1991 im Südtirol auf 3'210 m.ü.M. gefunden wurde. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen wurden an ihm durchgeführt, da menschliche Körper das beste Archiv zum Studium von Lebensbedingungen der Vorzeit aber auch zur evolutionären Entwicklung von heutigen Krankheiten sind.

Im Jahre 2005 wurde die Gletschermumie von Dr. Dr. F. Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich in engster Zusammenarbeit mit Dr. Eduard Egarter Vigl, Primar für Pathologie und Konservierungsbeauftragter am Südtiroler Archäologiemuseum Bozen sowie Dr. Patrizia Pernter und Dr. Paul Gostner von der Radiologischen Abteilung des Zentralkrankenhauses Bozen mittels eines modernsten Multislice-Computertomografen (CT) im Südtirol untersucht. Die CT-Bildanalyse zeigte eine Verletzung der rückseitigen Wand der linken Arteria subclavia (Unterschlüsselbeinarterie) durch die schon früher entdeckte Pfeilspitze, die im Brustraum stecken geblieben war. Die Bildanalyse zeigte ausserdem ein grosses Hämatom (Bluterguss) in den umliegenden Geweben.

Der Einbezug historischer und moderner Daten zur Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer so schwerwiegenden Verletzung lassen den eindeutigen Schluss zu, dass der Mann aus dem Eis an dieser Verletzung innert kurzer Zeit gestorben ist. «Ein solch klarer Nachweis einer tödlichen Gefässverletzung an einem Körper aus dieser Zeit ist einmalig und hat im vorliegenden Fall zur Klärung dieses aussergewöhnlichen Todesfalles beigetragen», erklärt Frank Rühli. Die nicht-invasive CT-Untersuchung ermöglichte die Diagnose der Todesursache ohne eine zerstörende Autopsie (Körperöffnung). Wie Frank Rühli weiter sagte, werden zurzeit die nun besser erklärbaren Todesumstände sowie der Fundsituation des Mannes aus dem Eis weitergehend untersucht und die Resultate in Kürze ebenfalls veröffentlicht.

Swiss Mummy Project
Dr. Dr. Frank Rühli, Oberassistent und Arbeitsgruppenleiter am Anatomischen Institut der Universität Zürich, leitet gemeinsam mit Dr. Thomas Böni von der Orthopädischen Universität Klinik Balgrist das Swiss Mummy Project; ein seit über 10 Jahren laufendes Mumien-Forschungsprojekt der Universität Zürich. Mumienforschung ist heute ein interdisziplinäres, weltweit vernetztes Wissenschaftsgebiet, das entscheidend zum Verständnis von Krankheiten und Kulturen beiträgt. Dr. Dr. Rühli war im Jahre 2005 in Ägypten gemeinsam mit Dr. Egarter Vigl und Dr. Gostner als wissenschaftlicher Berater beteiligt bei der CT-Analyse zur Bestimmung der Todesursache von Pharao Tutanchamun.

Ziel des Swiss Mummy Projektes ist es mit möglichst nicht-invasiven (nicht Gewebe zerstörenden) Methoden Informationen zum Leben, Sterben und nach dem Tod entstandenen Veränderungen (bspw. Einbalsamierungen) an historischen Mumien festzustellen. Dabei kommen vorwiegend radiologische Untersuchungsmethoden wie die CT zum Einsatz. Die Arbeiten des Swiss Mummy Projekts werden ermöglicht dank der Unterstützung durch den Forschungskredit der Universität Zürich sowie die Kooperationen mit Siemens Medical Solutions, dem Zuse-Institut Berlin und den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim.