Schweizer Private-Banking-Anbieter sind internationale Spitze

Schweizer Private-Banking-Institute halten sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven internationalen Markt am besten. Dies zeigt die neueste «International Private Banking Study» des Instituts für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich, welche die Wettbewerbsfähigkeit von 253 Private-Banking-Anbietern aus elf Ländern untersucht hat.

Die Margen im Private Banking sind international in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten. Gegenüber 2004 vermochten nur die Private-Banking-Anbieter in der Schweiz, Liechtenstein und den nordischen Ländern ihre Margen zu verbessern. Im Kontrast zur Entwicklung der Margen haben sich die Eigenkapitalrenditen seit 2004 durchwegs positiv entwickelt. Berücksichtigt man die international unterschiedliche Eigenmittelausstattung, sind die Schweizer Banken führend.

Operationelle Effizienz
Die operationelle Effizienz hat sich gegenüber 2004 über alle Länder hinweg verbessert. Im Durchschnitt konnten die Private-Banking-Anbieter das Kosten-Ertrags-Verhältnis um beinahe fünf Prozentpunkte senken. Mit einem Kosten-Ertragsverhältnis von 65.7% befinden sich die Schweizer Anbieter allerdings auf den hinteren Rängen. Auf der Ertragsseite jedoch sind sie vorne dabei: Zusammen mit den japanischen und liechtensteinischen Banken sind es die schweizerischen Anbieter, die den höchsten Gesamtertrag und Bruttogewinn pro Mitarbeiter generieren.

Anlagerendite
Misst man die Anlagerendite relativ zum Benchmark, so schneiden die Banken aus den nordischen Ländern am besten ab. Die durchschnittliche Anlagerendite Schweizer Private-Banking-Anbieter ist gegenüber der letzten Durchführung der Studie im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz leicht gefallen. Trotzdem gehören die Schweizer Banken nach wie vor dem besten Drittel oder der besseren Hälfte an, je nach Kennzahl.

Grösse und Wachstum
Die Studie untersucht, wie Grösse, Profitabilität, Effizienz und Wachstum untereinander im Zusammenhang stehen und die Anlagerendite beeinflussen. Insgesamt lässt sich nur begrenzte Evidenz für Skalenvorteile, gemessen an der Profitabilität, finden. Auf der anderen Seite scheinen kleine Institute effizienter arbeiten zu können. Grösse und Wachstumsvariablen sind nicht positiv korreliert. Mit anderen Worten: Grosse Banken wachsen nicht schneller als kleine. Zum ersten Mal kann gezeigt werden, dass Banken, die systematisch eine Überrendite erzielen auch unmittelbar durch einen höheren Zufluss von Neugelder profitieren – ein klarer Hinweis für die steigende Bedeutung der Anlagerendite bei der Private-Banking-Kundschaft als Auswahlkriterium einer Bank.

Schweizer Banken profitabler
Die detaillierte Betrachtung der Zahlen der Schweizer Banken bringt erstaunliches zum Vorschein. So besteht beispielsweise ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe der verwalteten Kundenvermögen pro Mitarbeiter und den Margen, die darauf erzielt werden. Dies steht im Widerspruch zur Tendenz zur Grösse in der Branche. Als Gegentrend zu «offenen Produktarchitekturen» kann gezeigt werden, dass für die Privatbanken als Differenzierungskriterium zunehmend von Bedeutung ist, eigene Fonds zu haben. Ein Vergleich schweizerischer und ausländisch kontrollierter Banken in der Schweiz zeigt, dass die Schweizer Banken letztere sowohl in Bezug auf die Profitabilität (gemessen an der Eigenkapitalrendite) als auch auf die operative Effizienz (Kosten-Ertragsverhältnis) übertreffen. Initiator und Leiter der Studie, Prof. Dr. Teodoro Cocca, meint dazu: «Diese Resultate sollten die Branche zum Nachdenken anregen. Einige der klassischen Branchen-Credos, wie der Zwang zur Grösse oder offene und damit nicht differenzierte Produktangebote, sind zumindest teilweise kritisch zu hinterfragen.»

Fazit
Die Internationalisierung des Private Banking schreitet weiter voran. Diese Entwicklung zeigt sich nicht zuletzt in den intensiven Expansionsbestrebungen der Schweizer Grossbanken, aber auch andere internationale Grossbanken hegen inzwischen internationale oder sogar globale Ambitionen. Der sich intensivierende Wettbewerb zwischen lokalen Anbietern und «Global Players» schlägt sich in einer länderübergreifenden Konvergenz der Margen nieder. In diesem Umfeld scheinen die Schweizer Privatbanken hervorragend positioniert. Sie haben sich eine ausgezeichnete Reputation erarbeitet, passen ihr Produktangebot schnell an neue Anlagetrends an und setzen bei diversen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen den Massstab. Bei aller Stärke des Schweizer Private Banking sind durchaus auch Möglichkeiten zur Verbesserung zu erkennen: Anlageperformance und operative Effizienz bieten Raum zur Verbesserung. Professor Cocca formuliert das Fazit wie folgt: «Schweizer Banken sind im Private Banking weiterhin die Champions – es gilt aber weiterhin an der Technik und Kondition zu feilen, um jedes Jahr das anspruchsvolle Publikum zu begeistern.»