Video für Demenzkranke entlastet Angehörige

Das Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich hat ein spezielles Video für Demenzkranke entwickelt. Das Video «Musikalische Wanderung» simuliert den Besuch einer freundlichen Frau und regt Demenzkranke zum Singen, Bewegen und Mitmachen an. Die wissenschaftliche Evaluation hat gezeigt, dass sich das Video gut für den Einsatz eignet und vor allem die Angehörigen kurze Zeit von der Betreuung entlastet.

«Grüezi und guten Tag – schön dass Sie da sind! Ich heisse Antoinette Niggli. Vielleicht bin ich das erste Mal auf Ihrem Video.» Mit diesen Worten werden die Demenzkranken auf eine fast 40minütige musikalische Wanderung eingeladen. Dabei werden vertraute Lieder wie «Hans Spielmann stimme deine Fiedel» oder «Hoch auf dem gelben Wagen» gesungen. Die freundliche Frau stellt zwischendurch Fragen, ermuntert zum Mitsingen und Mitbewegen und macht ein einfaches Gedächtnistraining.

Wie Projektleiterin Sandra Oppikofer vom Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich erklärt, stammt die Idee für solche Entlastungsvideo von Prof. Dale A. Lund von der University of Utah: «Solche Videos bieten pflegenden Angehörigen eine kurze Auszeit und von Demenz betroffenen Menschen eine Abwechslung und Stimulation positiver Verhaltensweisen.» Das Video wurde im eigenen Filmstudio der Universität Zürich produziert mit der erfahrenen Musiktherapeutin Antoinette Niggli als Protagonistin.

Um die Wirksamkeit des Videos wissenschaftlich zu überprüfen, wurde es je zwölf an Demenz erkrankten Frauen und Männern im Alter von durchschnittlich 77 Jahren mehrmals vorgeführt. «Dabei zeigte sich, dass sich das Video gut für Menschen mit Demenz eignet», sagt Sandra Oppikofer. 80 Prozent der Patientinnen und Patienten waren vom Video gefesselt, fast 90 Prozent blieben wach bis hellwach und 75 Prozent verliessen den Raum während des Videos nie. 71 Prozent reagierten auf Fragen und Lieder im Video, jedoch nur 30 Prozent auf Bewegungsaufforderungen. Das Video konnte auch regelmässig gezeigt werden, ohne dass sich die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verschlechtert hätte. Zudem verhielt sich der Grossteil während des Videos ruhig.

Für zwei Drittel der Angehörigen war das Video eine Entlastung. Sie hatten Zeit für sich zur Verfügung und wussten die Patienten auf eine angenehme Art beschäftigt. Am häufigsten nutzten sie die Zeit für Haushalt- oder administrative Arbeiten. Betreuende wünschen sich denn auch weitere solche Entlastungsvideos.

Hinweis für die Medien

nullnullAm 21. September 2010 findet der Welt-Alzheimer-Tag statt.nullnullUniversität Zürich, Zentrum für Gerontologie, Sumatrastr. 30, 8006 Zürich Fax 141 44 635 34 21 E-Mail: zfg@zfg.uzh.ch nullnullLizenz Privatpersonen: CHF 39.- nullLizenz Institutionen, Organisationen, Schulen etc.: CHF 98.- nullnullZürcher Schrift zur Gerontologie, Band 8 «SIMPA – Videofilme für Demenzkranke» CHF 25.-nullnullnullDas Projekt wurde von der Firma Pfizer unterstützt. Pfizer forscht und investiert u.a. in im Bereich Alzheimer-Erkrankung, um neue Therapiesubstanzen zu entwickeln.null