Verdienste um Wissenschaft, Volksgesundheit und Tierschutz gewürdigt: Die UZH verleiht zehn neue Ehrendoktortitel

Heinrich von Grünigen vertritt mit aussergewöhnlichem Einsatz die Interessen von Adipositas-Kranken. Die Tierschützerin Jill Robinson hat unter anderem in einem Abkommen mit den chinesischen Behörden das Leben von 500 Farmbären gerettet. Und unter den Wissenschaftlern befindet sich dieses Jahr der Nobelpreisträger Eric Wieschaus. Zusammen mit sieben weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat sie die Universität Zürich heute mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet. Zu den weiteren Preisen, die sie anlässlich ihrer 178. Stiftungsfeier verliehen hat, gehören der Lehrpreis der UZH sowie die Jahrespreise der Fakultäten für die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

In Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur hat die Universität Zürich am Samstag, den 30. April 2011 den Dies academicus zur Erinnerung an ihre Gründung festlich gefeiert. Prof. Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, liess in seinem Bericht wichtige Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren. Neben Erfolgen in der Forschung, Ehrungen für herausragende Leistungen und dem neuen Corporate Design der UZH kam er auf die Anstrengungen zu sprechen, welche die Universität angesichts des zunehmenden Raumbedarfs unternimmt; er würdigte in diesem Zusammenhang die Eröffnung der neuen Kleintierklinik sowie den Bezug des Gebäudes «Cityport» am Standort Zürich-Nord.

Prof. Egon Franck, Prorektor Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, setzte sich in seiner Dies-Rede kritisch mit der derzeit populären Forderung nach mehr «Aktionärsdemokratie» auseinander und machte auf die Gefahren dieses Modells aufmerksam. Den Einfluss der Aktionäre auszubauen und die Autorität der Verwaltungsräte zurückzubinden, könne dazu führen, dass Shareholder ihre Macht missbrauchten, indem sie zum Nachteil der Firma ihre eigene Geschäftspolitik verfolgten. Franck plädierte demgegenüber aus ökonomischer Sicht für eine Rückbesinnung auf die Qualitäten des bestehenden Modells mit einer «Board Primacy». Nur ein starker, unabhängiger Verwaltungsrat, der nicht bloss als verlängerter Arm der Aktionäre agiere, sei in der Lage, als Treuhändler das Wohl der ganzen Unternehmung im Auge behalten und zwischen konkurrierenden Interessen – etwa zwischen jenem der Shareholder und der Mitarbeiter – abzuwägen.

Drei Ehrendoktorinnen und sieben Ehrendoktoren

In Anerkennung seiner grossen Verdienste um das interdisziplinäre Gespräch zwischen Naturwissenschaften und Theologie verlieh die Theologische Fakultät der Universität Zürich die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Arnold Benz. Als Physiker fragt er danach, welche Perspektiven die heutigen kosmologischen Erkenntnisse für die Wahrnehmung des Universums als Schöpfung eröffnen und wo sich Wissen und Glauben grundsätzlich voneinander unterscheiden.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät verlieh die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Franz Matscher in Anerkennung seiner wissenschaftlichen und praktischen Verdienste um das internationale Zivilverfahrensrecht und den internationalen Menschenrechtsschutz. Mit einem zweiten Ehrendoktortitel würdigt die Rechtswissenschaftliche Fakultät das Lebenswerk von Prof. Dr. Ada Neschke-Hentschke. Dieses widmet sich der Philosophiegeschichte des Rechts und macht Auswirkungen und Bedeutung der erkenntnistheoretischen, ethischen und politischen Fragen der Antike für die moderne Rechts- und Staatstheorie deutlich.

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zeichnete mit der Verleihung eines Ehrendoktortitels die grossen Verdienste von Prof. Dr. Matthew Rabin aus. Mit seinen Arbeiten zur Theorie von Fairness und Reziprozität wie auch zur Theorie referenzabhängiger Präferenzen hat Rabin erheblich zu einem Brückenschlag zwischen Psychologie und Wirtschaftswissenschaften beigetragen. Diese Annäherung der Disziplinen hat die mikroökonomische Forschung in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert.

Die Medizinische Fakultät verlieh die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Willi A. Kalender in Anerkennung seiner fundamentalen Beiträge zur Entwicklung der Spiralcomputertomographie. Mit einem weiteren Ehrendoktortitel anerkennt die Medizinische Fakultät die Aufbau- und Aufklärungsarbeit von Heinrich von Grünigen: Mit aussergewöhnlichem Einsatz widmet er sich dem grossen gesundheitlichen und gesellschaftspolitischen Problem der Adipositas.

Gosse Verdienste um den Tierschutz erworben hat sich Jill Robinson. Sie wurde von der Vetsuisse-Fakultät geehrt, welche ihr in Anerkennung ihres Engagements die Würde einer Doktorin ehrenhalber verliehen hat. Durch öffentliche Kampagnen, direkte Verhandlungen mit Behörden und durch ihr unerschrockenes Auftreten vor Ort hat Jill Robinson in Asien einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Tieren geleistet.

Die Philosophische Fakultät verlieh die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Fredrik Barth. Vielseitigkeit und Bedeutung seiner empirischen Forschung und theoretischen Entwürfe gehen weit über den Bereich des eigenen Fachs hinaus. Insbesondere gilt dies für seine bahnbrechenden Arbeiten zu ethnischer Identität und Grenzziehung, welche die gegenwärtigen öffentlichen Diskurse zu Fragen des kulturellen Pluralismus oder zu den Ursachen ethnischer Konflikte in entscheidendem Masse mitgeprägt haben.

Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät ehrt mit je einem Ehrendoktortitel das Werk von Prof. Dr. Trudi Schüpbach und Prof. Dr. Eric Wieschaus, das die Erforschung der Steuermechanismen der Oogenese und Embryogenese bei der Taufliege Drosophila melanogaster beinhaltet. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Schüpbach und Wieschaus haben den Vorstoss des entwicklungsbiologischen Verstehens auf die molekulare Ebene eingeleitet und vorangetrieben. Eric Wieschaus erhielt für seine Entdeckungen zur genetischen Kontrolle der frühen Embryo-Entwicklung zusammen mit Christiane Nüsslein-Volhard 1995 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Lehrpreis der UZH für Christian Utzinger

Den diesjährigen Credit Suisse Award for Best Teaching erhielt Dr. Christian Utzinger für die Gestaltung und Nutzung von Lernmaterialien. Auf kluge und attraktive Art unterstützen die von ihm erarbeiteten Lernmaterialien nicht nur nachhaltige Lernprozesse von Studierenden, sie schaffen ausserdem wertvolle Gelegenheiten der Einübung und Erprobung von Kompetenzen – preist sie die Laudatio.

Den Wissenschaftspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung erhielt dieses Jahr Dr. med. Dr. phil. II Jean-Pierre Bourquin. Mit dem UBS-Habilitationspreis der Philosophischen Fakultät wurde PD Dr. Franziska Frei Gerlach ausgezeichnet. Der Walter Frei-Preis ging dieses Jahr an Prof. Dr. Dr. habil. Georg Baljer und an Prof. Dr. Hannu J. Korkeala. Jahrespreise 2010 erhielten Esther Imhof, Theologische Fakultät; Dr. Dania Tremp, Rechtswissenschaftliche Fakultät; Sandra Hanslin, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; Ursula Hofer, MD PhD, Medizinische Fakultät; Dr. Claudia S. Trummer, Vetsuisse-Fakultät; Johannes Binotto, Philosophische Fakultät und Emanuele Nunzio Spadaro, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät.