Die UZH muss drei Milliarden Franken in Immobilien investieren

Um die Raumnot an der Universität Zürich zu lindern, müssten bis ins Jahr 2030 rund drei Milliarden Franken in Gebäude investiert werden. Das ist fast viermal mehr als in den letzten zehn Jahren, wie die UZH an ihrer Jahresmedienkonferenz am Freitag bekannt gab. Mit dem Kanton Zürich sucht die UZH nach Wegen, wie sie neue Gebäude schneller und eigenverantwortlich bauen kann.

Überfüllte Hörsäle, zu wenig Laborplätze, Prüfungen in angemieteten Turnhallen – es ist eng geworden an der Universität Zürich. In den letzten zehn Jahren hat sich die Raumsituation deutlich verschlechtert, nicht zuletzt aufgrund der starken Zunahme an Studierenden und Mitarbeitenden.

Seit Jahren muss die UZH deshalb verdichten und Gebäude teuer anmieten, um den Raumbedarf zu decken. Als Folge davon ist die UZH auf über 200 Gebäude in der ganzen Stadt Zürich verteilt, wie Rektor Andreas Fischer an der Jahresmedienkonferenz bekannt gab. Die meisten Gebäude sind relativ klein, was den Betrieb teuer und ineffizient macht. So fallen an mehreren Standorten hohe Kosten für Lehr- und Serviceräume an. Die Humanmedizin beispielsweise ist auf sechs Standorte verteilt. Die Volkswirtschaft wiederum ist in sechs Gebäuden untergebracht, die bis zu vier Kilometer auseinanderliegen. Das behindert den Austausch in Forschung und Lehre und führt dazu, dass die Studierenden einige Fächerkombinationen wie zum Beispiel Volkswirtschaft und Politikwissenschaft aus logistischen Gründen kaum belegen können.

Sanierungsbedarf von 1,7 Milliarden Franken

Viele Gebäude sind zudem in die Jahre gekommen und müssen dringend saniert werden. «Der Sanierungsbedarf bis 2027 beträgt rund 1,7 Milliarden Franken», sagte Rektor Fischer. Für solche Sanierungen fehlen heute die Rochadeflächen, beispielsweise wenn die Laborgebäude für Medizin und Naturwissenschaften auf dem Campus Irchel erneuert werden müssen.

Da die Universität aus allen Nähten platzt, hat sie eine so genannte Flächenentwicklungsstrategie erarbeitet. Das Ziel ist es, Studienfächer und zentrale Einrichtungen räumlich zu konzentrieren und die Studierenden und Fächer optimal auf die Hauptstandorte Zentrum und Irchel aufzuteilen sowie Mietliegenschaften aufzugeben. Demnach sollen im Zentrum die Theologie, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Teile der Humanmedizin und die Geisteswissenschaften konzentriert werden. Dringlich ist der Neubau auf dem Areal Wässerwies für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Auf dem Campus Irchel sollen die Mathematik und Naturwissenschaften, Teile der Human- und Veterinärmedizin und die Sozialwissenschaften untergebracht werden. Dringend ist hier die sogenannte 5. Bauetappe Irchel für die Chemie sowie Rochadeflächen für die Sanierung der Gebäude der 1. und 2. Bauetappe. Wichtig wäre zudem der Neubau von kliniknahen Zentren für Forschung und Lehre in der Universitären Medizin.

Flexibler bauen

Für eine erfolgreiche Entwicklung der Universität Zürich müsste deutlich mehr investiert und die Bauvorhaben müssten schneller umgesetzt werden. Das bedeutet jährliche Investitionen von 180 Millionen Franken statt wie bisher nur 50 bis 60 Millionen Franken. Aber auch die Finanzierungs- und Steuerungsmodelle von Bauten müssten flexibler ausgestaltet werden. Die UZH sucht daher mehr Freiheit im Baubereich und ist bereit, die nötige Verantwortung zu übernehmen.

Die UZH befürchtet, dass sie ohne diese Investitionen ihre sehr gute internationale Position verlieren könnte. Die Raumnot könnte in der Lehre mehr Massenveranstaltungen oder eine Kontingentierung von Lehrangeboten wie zum Beispiel von Praktika in der Medizin zur Folge haben. Kann sich die UZH räumlich nicht entwickeln, ist nur ein begrenzter Personalausbau möglich und dadurch verschlechtert sich die Betreuungssituation. Fehlende Investitionen könnten zudem dazu führen, dass die Raumnot der Forschung Grenzen setzt und die Zukunft von führenden, sehr infrastrukturabhängigen Disziplinen in der Medizin und den Life Sciences gefährdet wären.

25'618 Studentinnen und Studenten

Wie die UZH im letzten Jahr gewachsen ist, zeigte Stefan Schnyder, Direktor Finanzen, Personal und Infrastruktur. So hat die Zahl der Studierenden erneut zugenommen und beträgt jetzt 25’618 Personen. Der Personalbestand, einschliesslich der aus Drittmitteln finanzierten Stellen, stieg im Berichtsjahr um 108,1 Vollzeitstellen auf 5382,2 Vollzeitstellen. Der Stellenaufbau entfiel vor allem auf Professuren (+11,6 Vollzeitstellen) und Mittelbaustellen (+40,3 Vollzeitstellen). Dank neuer Professuren konnten die Betreuungsverhältnisse leicht verbessert werden. Aktuell entfallen durchschnittlich 50,8 Studierende auf eine Professur.