Die UZH ehrt Zürcher Ex-Justizdirektor, pakistanische Kämpferin für Ethik und japanischen Zelltod-Forscher

Engagiert setzt sich die Chirurgin Farhat Moazam für die medizinischen Ethik in Pakistan ein. Zürich ist im Zentrum von Markus Notters Arbeiten: Während seiner Amtszeit als Regierungsrat und Justizdirektor widmete er sich der Modernisierung des zürcherischen Rechts. Und in Zürich erste Erfolge gefeiert hat der japanische Molekularbiologe Shigekazu Nagata. Heute ist er bekannt für seine Forschung zum programmierten Zelltod. Zusammen mit fünf weiteren herausragenden Persönlichkeiten erhielten alle drei heute einen Ehrendoktortitel der UZH.

In Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur hat die Universität Zürich am Samstag, den 28. April 2012 den Dies academicus zur Erinnerung an ihre Gründung festlich gefeiert. Prof. Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, befasste sich in seiner diesjährigen Dies-Rede unter dem Titel «What's in a name?» mit der Begriffsgeschichte der modernen Universität. Anhand mehrerer Bezeichnungen zeigte er auf, dass Wörter nicht nur Etiketten sind, sondern Realitäten abbilden und schaffen. Als Beispiel nannte er den Begriff «alumni», an dem er den Einfluss angelsächsischer Konzepte dokumentierte. So wurden Absolventen in unseren Sprachregionen noch bis vor Kurzem zu Ehemaligen, deren Beziehung zur Universität mit dem Abschluss des Studiums endete. Heute bezeichne man sie als alumni, und wie in der amerikanischen Universitätswelt würden sie auch bei uns als Pflegesöhne und -töchter ihrer Universität verstanden, die ihr nach dem Studium verbunden bleiben – eine Entwicklung, die Fischer begrüsst.

Mit den Auswirkungen der Bologna-Reform auf das Studium setzte sich Martin Roeck, Präsident des Studierendenrates der Universität Zürich (StuRa), in seiner Rede auseinander. Das System habe den Druck auf die Studierenden enorm gesteigert und erschwere die kritische Reflexion des Gelernten. «Man sollte die Studierenden bei ihrer Begeisterungsfähigkeit, bei ihrem eigenen Interesse und ihrer Neugierde abholen, statt sie mit Pflichten und Kontrollen zu überladen», betonte er und forderte, den Studierenden wieder mehr Freiräume einzugestehen.

Eine Ehrendoktorin und sieben Ehrendoktoren

In Anerkennung seiner grundlegenden Forschungsarbeiten zur Geschichte der Schweizerischen Reformation verlieh die Theologische Fakultät der Universität Zürich die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Bruce Gordon.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät verlieh die Würde eines Doktors ehrenhalber an Markus Notter in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Modernisie­rung des zürcherischen Rechts und um die Rechtskultur im Kanton Zürich während seiner Tätigkeit als Re­gierungsrat und Justizdirektor. Mit einem zweiten Ehrendoktortitel zeichnet die Rechtswissenschaftliche Fakultät Prof. Ivo Schwander aus und anerkennt damit die Vielfalt seiner fundamentalen Arbeiten zum Privat- und Zivilverfahrensrecht, namentlich auch zu dessen internationalen Bezügen.

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zeichnete mit der Verleihung eines Ehrendoktortitels die grossen Verdienste von Prof. Thomas W. Malone aus und anerkennt damit Vielfalt und Bedeutung seiner wissenschaftlichen Beiträge zur Wechselwirkung zwischen Informatik und Wirtschaftswissenschaften, insbesondere zum Einfluss der Informatik auf Marktstrukturen, Koordinationsprobleme und die kollektive Intelligenz.

Die Medizinische Fakultät verlieh die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Prof. Farhat Moazam in Anerkennung ihrer fundamentalen Beiträge zur Ethik und Organtransplantation in Pakistan.

Hans Burger hat auf dem Gebiet der Mutterkuhhaltung in der Schweiz Pionierarbeit geleistet. Es ist dies eine besonders tier- und umweltfreundliche Form der Rindfleischerzeugung, die sich speziell für das Berggebiet und den Jura eignet. Sein Engagement wurde von der Vetsuisse-Fakultät geehrt, welche ihm heute die Würde eines Doktors ehrenhalber verliehen hat.

Die Philosophische Fakultät verlieh die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Leung Ping-kwan. Sie würdigt damit seine grossen Verdienste um die internationale Anerkennung und Vermittlung chinesischsprachiger Literatur aus Hongkong sowie um die Förderung des interkulturellen Dialogs zwischen China und der Schweiz.

Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät ehrt mit einem Ehrendoktortitel das Werk von Prof. Shigekazu Nagata: Sein Beitrag zur Isolierung und Charakterisierung des antiviralen Interferon-alpha-Gens war ein entscheidender Schritt, und seine Entdeckungen zum Mechanismus des programmierten Zelltods waren bahnbrechend.

Lehrpreis der UZH für Martin Meyer

Den diesjährigen Credit Suisse Award for Best Teaching erhielt Prof. Martin Meyer, der mit seinen Veranstaltungen Studierende auf begeisternde Art und Weise an der Wissenschaft teilhaben lässt.

Das Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung erhielt dieses Jahr Alexander A. Navarini, und je einen Wissenschaftspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung erhielten Prof. Jan Krützfeldt und Prof. Jan Lünemann.

Jahrespreise der Fakultäten 2012 erhielten Marie-Therese Mäder, Theologische Fakultät; Seraina Denoth, Rechtswissenschaftliche Fakultät; Holger Herz, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; André Schmidt, Medizinische Fakultät; Matthias L. Bosshard, Vetsuisse-Fakultät; Rafael Suter, Philosophische Fakultät und Simon Duttwyler, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät.