Über fünf Millionen Franken EU-Fördergeld für zwei UZH-Forschende

Zwei Spitzenforscher der Universität Zürich werden mit dem höchsten Forschungspreis der EU ausgezeichnet: dem begehrten «ERC Advanced Grant» des Europäischen Forschungsrates (ERC). Für die Verwirklichung ihrer Projekte im Life-Science-Bereich erhält jeder von ihnen über 2,5 Millionen Schweizer Franken.

Die EU will mit den «ERC Advanced Grants» bereits etablierte Forschende fördern, sodass sie mit den Geldern ihre neuen Projekte realisieren können. Dabei liegen die Chancen, für eine Projekteingabe einen Grant zu erhalten, bei raren zwölf Prozent. Zu den vom Erfolg gekrönten der diesjährigen Förderungsrunde gehören zwei Forschende der Universität Zürich. Ihre Projekte stammen beide aus dem Bereich «Life Sciences». Für ihre innovativen Forschungsvorhaben erhalten sie je über 2,5 Millionen Franken über die nächsten fünf Jahre.

Beide Forscher sind gravierenden Krankheiten auf der Spur: Von neuen Erkenntnissen beim einen Projekt könnten dereinst Patienten mit Zystischer Fibrose profitieren, beim andern Menschen, die an Multipler Sklerose leiden.

Diese UZH-Forschenden erhalten einen ERC Advanced Grant:

Raimund Dutzler, Professor für Biochemie, für das Projekt «Structure, function and pharmacology of calcium-activated chloride channels: Anoctamins and Bestrophins»

Kurzbeschrieb Projekt: Die zystische Fibrose, auch Mukoviszidose genannt, ist eine verbreitete, tödlich verlaufende Erbkrankheit. Sie gehört zu den häufigsten der angeborenen Stoffwechselerkrankungen hellhäutiger Menschen, und allein in Deutschland kommen damit jedes Jahr rund 300 Kinder auf die Welt. Bei Menschen mit dieser Erkrankung ist der Wassergehalt der Sekrete von Bronchien, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle, inneren Geschlechtsorganen und Dünndarm zu niedrig. Dadurch werden ihre Sekrete zähflüssig, unterschiedlichste Funktionsstörungen in den betroffenen Organen sind die Folge. nullUrsache der veränderten Sekret-Zusammensetzung ist eine Fehlfunktion der Chloridkanäle, eine Klasse von Ionenkanälen, die noch wenig erforscht ist. Ionenkanäle wiederum regeln den Fluss von Ionen durch die Zellmembran, was eine Grundfunktion vieler physiologischer Prozesse ist. Als eine vielversprechende Strategie zur Behandlung der zystischen Fibrose gilt die Aktivierung der Chloridkanäle. Denn man weiss, dass Kalzium-aktivierte Chloridkanäle eine wichtige Rolle spielen bei der Erregbarkeit der glatten Muskulatur innerer Organe, bei der Geruchswahrnehmung sowie auch bei der Sekretion von Chlorid ins Drüsengewebe. nullIm Rahmen des ERC-Projektes wird die Arbeitsgruppe von Raimund Dutzler zwei Proteinfamilien von Kalzium-aktivierten Chloridkanälen untersuchen: die Anoctamine und die Bestrophine. Ihre noch unbekannten Strukturen werden mit Hilfe der Röntgenkristallographie untersucht, und mittels elektrophysiologischer Methoden werden ihre funktionellen Eigenschaften analysiert. Die Ergebnisse werden Einblick in Architektur und Regulationsmechanismen dieser Proteinfamilien erlauben und damit die Grundlage für die gezielte Entwicklung von Medikamenten liefern.

Fördersumme: 2'176'000 Euro

Kontakt: Prof. Raimund Dutzler
Biochemisches Institut, Universität Zürich
Tel: +41 44 635 65 50, E-Mail

Roland Martin, Ordinarius für Neurologie und Neuroimmunologie, für das Projekt: «Functional Role of the HLA-DR15 Haplotype in Multiple Sclerosis»

Kurzbeschrieb Projekt: Zwischen fünf und acht Prozent der Menschheit leidet heute an einer der nahezu hundert Autoimmunerkrankungen. Zu diesen zählen Typ I Diabetes, Rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte und – als ihr typischer Vertreter – auch die Multiple Sklerose (MS). MS tritt meist bei jungen Erwachsenen auf, und – wie bei den meisten Autoimmunkrankheiten – sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Die Krankheit führt zu schubförmig auftretenden neurologischen Ausfällen und im weiteren Verlauf häufig zu erheblicher Behinderung.
MS ist eine sogenannte komplex-genetische Erkrankung. Unter den genetischen Faktoren eine besonders wichtige Rolle spielen bestimmte Gewebeverträglichkeitsstrukturen, sogenannte HLA-Moleküle. Für MS wurde dies bereits vor vierzig Jahren nachgewiesen, später auch für andere Autoimmunkrankheiten. HLA-Moleküle sind beteiligt bei der Erkennung von Krankheitserregern, wie z. B. Viren, durch sogenannte T-Zellen. Diese fungieren als eine Art Wächter-Zellen und sind für die körpereigene Immunabwehr zentral – sowohl bei Infektionen als auch bei Allergien und Autoimmunerkrankungen. Noch unklar ist, auf welchem Wege die HLA Moleküle zur MS beitragen.
Mit seinem neuen ERC-Projekt erforscht Roland Martin, welche zellulären und molekularen Mechanismen bei Individuen mit einem bestimmten Satz an HLA-Genen zu einer Autoimmunerkrankung wie der MS führen.

Fördersumme: 2'368'068 Euro

Kontakt: Prof. Roland  Martin nullKlinik für Neurologie, Universitätsspital Zürich
Tel: +41 44 255 11 25, E-Mail