Die Universität Zürich feiert 25 Jahre Gleichstellung

Knapp zweieinhalb Prozent betrug der Anteil Professorinnen an der Universität Zürich im Jahr 1989. Heute, 25 Jahre später, sind es 20 Prozent – der institutionellen Förderung der Gleichstellung sei Dank. Diese feiert am 20. Oktober Jubiläum, und setzt sich gleich neue Ziele: Um weitere fünf Prozent soll der Anteil Professorinnen in den nächsten zwei Jahren wachsen. 

Es war der erste Akt der Förderung der Gleichstellung an der Universität Zürich: In einem Positionspapier an die Adresse des damaligen Rektors konstatierten mehrere Professorinnen am 27. Juli 1989: Nicht die biologische Geschlechtszugehörigkeit, sondern Persönlichkeit, Fähigkeit und Neigung seien für eine akademische Karriere ausschlaggebend. Ausdrücklich kritisiert hatten sie den niedrigen Anteil an Professorinnen: Trotz einer kontinuierlich zunehmenden Zahl Studentinnen sei in zehn Jahren der Anteil an Professorinnen nur um ein halbes Prozent gestiegen. Umfassend formulierten sie ihre Forderung: Frauen an der Universität müssten auf allen Ebenen adäquat integriert sein, rollenspezifische Wertvorstellungen und Hemmschwellen seien abzubauen.

Von Kinderbetreuung zu Kulturwandel

Die damals formulierte Zielsetzung ist noch heute gültig – auch wenn in den vergangenen 25 Jahren bereits viel erreicht worden ist. Heute hat die Universität Zürich einen Professorinnenanteil von 20 Prozent bei einer weiblichen Studierendenschaft von 58 Prozent. Zahlreiche Angebote sind entstanden, von denen einige zur Zeit ihrer Lancierung pionierhaft waren: etwa der Verhaltenskodex Gender Policy im Jahr 2005 oder die Stiftung Kinderbetreuung kihz, im Jahr 2000 gemeinsam mit der ETH gegründet, oder auch das Reglement zum Schutz vor sexueller Belästigung, das 2007 vom Universitätsrat verabschiedet wurde.

Aktuell in der Umsetzung befindet sich der Aktionsplan, der aus mehreren Pilotprojekten besteht, und dessen Ziel ein elementarer Kulturwandel ist. Der Aktionsplan wurde im Rahmen des Bundesprogramms «Chancengleichheit 2013–16» von Universitätsleitung und Fakultäten gemeinsam entwickelt. Die Abteilung Gleichstellung und ein extra gebildeter Begleitausschuss unterstützen die Fakultäten jetzt bei der Umsetzung. Das besonders Erfolgsversprechende daran ist, dass die Massnahmen aus dem Gleichstellungbereich die bestehenden, je unterschiedlichen Strukturen und Prozesse der sieben Fakultäten berücksichtigen und direkt in diese integriert sind.

Am Anfang aller Aktivitäten stand die Einrichtung einer Frauenstelle. Diese war zugleich der Beginn der heutigen Abteilung Gleichstellung sowie von insgesamt rund sechs – teilweise befristeten –Vollzeitstellen, die sich an der Universität Zürich mit Gender-Themen beschäftigen. Angefangen wurde 1989 mit nur 20 Stellenprozenten, und als erste Frauenbeauftragte hatte die UZH die damalige juristische Beraterin des Rektors engagiert. 1996 wurden aus den 20 Prozent 50, und seit 1991 wurde zusätzlich die Frauenkommission, die heutige Kommission für die Gleichstellung der Geschlechter etabliert.

Gleichstellung an der UZH: auch auf der Ebene von Lehre und Forschung ein Thema

Die UZH engagiert sich nicht nur auf institutioneller Ebene in der Gleichstellungsthematik, sondern mit der Schaffung eines Lehrstuhls auch im wissenschaftlichen Bereich. Als erster Schritt wurde 1998 das interdisziplinäre Kompetenzzentrum «Gender Studies» ins Leben gerufen. Seine Mitglieder engagierten sich in der Durchführung eines interdisziplinären Graduiertenkollegs, das bis 2011 insgesamt vier Mal durchgeführt und 2012 in ein Doktoratsprogramm überführt wurde. Parallel dazu bemühte man sich ebenso erfolgreich um die Schaffung eines Lehrstuhls und die Einführung eines Masterprogramms «Gender Studies».

Viele der im damaligen Positionspapier geforderten Massnahmen sind heute umgesetzt oder in Arbeit. So gibt es konkrete Förderungsmassnahmen und gezielte Beratungsangebote für den weiblichen akademischen Nachwuchs. Dennoch bleibt einiges zu tun: «Noch immer besteht ein unausgewogenes Geschlechterverhältnis, was die Vertretung von Frauen in universitären Leitungsfunktionen und Gremien angeht», hält die Leiterin der Abteilung Gleichstellung Elisabeth Maurer fest. Das Ziel für die nächste Etappe ist gesetzt: Bis 2016 soll sich der Anteil Professorinnen um weitere fünf Prozent erhöhen, auf insgesamt 25 Prozent. Elisabeth Maurer gibt sich zuversichtlich: «Das Ziel mit den bislang getroffenen Massnahmen zu erreichen, erscheint zwar ambitioniert, aber durchaus realistisch.»

null Jubiläumsfeier «25 Jahre Gender Policy an der Universität Zürich» Um die Akteure und Pionierinnen an der Universität Zürich zu feiern, die sich seit Beginn der Gleichstellungsarbeit vor 25 Jahren für das Thema engagiert haben, laden die Abteilung Gleichstellung und die Gleichstellungskommission zu einer Feier ein. Montag, 20. Oktober 2014 Universität Zürich Hauptgebäude Aula (KOL-G-201) 16.45 – ca. 20.30 Uhr Türöffnung um 16.30 Uhrnull
Programm:
  16.45 Uhr Begrüssung und Einleitung Rektor Prof. Dr. Michael Hengartner und Prof. Dr. Brigitte Tag, Präsidentin der Gleichstellungskommission 17.15 Uhr Festrede Dr. Elisabeth Maurer, Leiterin der Abteilung Gleichstellung 17:45 Uhr Gesprächsrunde Rektor Prof. Dr. Michael Hengartner, Prof. Dr. Brigitte Tag, Dr. Elisabeth Maurer, Prof. Bettina Dennerlein, Professorin für Gender Studies und Islamwissenschaft 18.15 Uhr Ehrungen von Personen, die am Auf- und Ausbau der Gender Policy an der UZH beteiligt waren 18.45 Uhr Apéro riche und Vernissage der Jubiläumsausstellung «kühn – bewegt – gleichgestellt» – zur Geschichte der Frauen an der UZH, von der ersten Studentin über die ersten Professorinnen bis hin zu den Pionierprojekten der letzten Jahre, im Lichthof der UZH bis 10. November 2014; anschliessend an den UZH-Standorten Irchel vom 17. bis 27. November 2014 und Oerlikon vom 8. bis 19. Dezember 2014 Moderation Nathalie Christen, Schweizer Radio und Fernsehen. MusiknullThe Red Hot Serenaders mit Tanja Wirz und Rainer Wöfflernull