Gebärdensprachen, Geld und Reptilienzucht – UZH ehrt neun Persönlichkeiten mit dem Ehrendoktortitel

Penny Boyes Braem ist die Begründerin der Gebärdensprachforschung in der Schweiz. Die Ökonomin Anat Admati beschäftigt sich mit Finanzmarktforschung und wirft einen kritischen Blick auf die Bankenwelt. René E. Honegger widmete rund 40 Jahre seines Lebens dem Zoo Zürich: Ihm gelang unter anderem die Erstzucht von Galapagos-Riesenschildkröten in der Alten Welt. Alle drei erhielten sie heute zusammen mit sechs weiteren Persönlichkeiten einen Ehrendoktortitel der UZH. Rektor Michael Hengartner skizzierte in seiner Rede die künftige Entwicklung der Universität Zürich: Als Ziele nannte er unter anderem die Pflege von Freiräumen in Studium und Forschung sowie eine stärkere internationale Vernetzung.

In Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur feierte die Universität Zürich zur Erinnerung an ihre Gründung am Samstag, den 26. April 2014 festlich den Dies academicus.

Rektor Michael Hengartner umriss in seiner Rede die Vision einer Universität, die lokal fest verankert und zugleich global vernetzt ist und dank verbesserter internationaler Sichtbarkeit wie ein Magnet auf motivierte Studierende und hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt wirkt. Er entwarf das Bild einer Universität, die ihre Vitalität aus ihrer inneren Vielfalt bezieht und die ihren Forschenden ein möglichst hohes Mass an Freiraum bietet.

Aber nicht nur Forschende, auch die Studierenden benötigen Freiräume. Diese, so Hengartner, seien in den letzten Jahren zu stark limitiert worden, weshalb nun Verbesserungen des Bologna-Systems nötig seien. Das Ziel seien Studiengänge «mit einfachen Regeln, klaren Strukturen und genügend Freiräumen».

  Auch im wörtlichen Sinn sind Freiräume ein Herzensanliegen des neuen Rektors der UZH. So sieht er die vom Regierungsrat vorgeschlagene Übertragung der Bauherrenfunktion vom Kanton auf die Universität als grosse Chance: Die UZH würde damit künftig bei der baulichen und räumlichen Planung selbständiger agieren und diese besser an den eigenen Bedürfnissen ausrichten können.

Was Reformen erfolgreich macht

Unter dem Titel «Reformstau an der Universität Zürich?» thematisierte André C. Wohlgemuth in der anschliessenden Rede die Frage, welche Faktoren Reformen zum Erfolg führen. Er ist Vorstandsmitglied der Vereinigung der Privatdozierenden der UZH, Titularprofessor in Betriebswirtschaftslehre und Inhaber einer Unternehmensberatung, und aus seiner Sicht zentral ist das richtige Reformtempo. Dabei kann sowohl die zu langsame als auch die zu schnelle Abwicklung problematisch sein. Als zweiten wichtigen Erfolgsfaktor nannte er den Einbezug der Betroffenen.

Vier Ehrendoktorinnen und fünf Ehrendoktoren

Die Würde eines Doktors ehrenhalber oder die Würde einer Doktorin ehrenhalber verlieh

  • die Theologische Fakultät an Prof. Linda Woodhead für ihre Forschung im Bereich der Veränderungsprozesse von Religion in modernen Gesellschaften. Sie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie vielseitige empirische Ansätze mit theoretischer Reflexion verknüpft.
  • die Rechtswissenschaftliche Fakultät an Bundesrichter Heinz Aemisegger, in Anerkennung seines langjährigen Wirkens als Bundesrichter, seiner herausragenden Verdienste um die Konsolidierung und Weiterentwicklung des Öffentlichen Rechts sowie seiner besonderen Bemühungen um den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft.
  • die Rechtswissenschaftliche Fakultät an Daniel Steck, alt Oberrichter, in Anerkennung seines jahrzehntelangen Engagements in Praxis, Lehre und Forschung des schweizerischen Familien- und Familienverfahrensrechts, mit einer Vielzahl grundlegender Publikationen und seiner Expertentätigkeit für Bund und Kantone.
  • die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät an Prof. Anat Admati, Ph.D., in Anerkennung ihrer grossen Verdienste in der Finanzmarktforschung, insbesondere auf den Gebieten Informationsökonomie, Corporate Governance und Bankenregulierung.
  • die Medizinische Fakultät an Prof. Péter Somogyi in Anerkennung seiner fundamentalen und technisch hochkarätigen Beiträge zur Aufklärung der strukturellen und funktionellen Organisation von neuronalen Schaltkreisen in der Grosshirnrinde.
  • die Medizinische Fakultät an Prof. Felix W. Wehrli in Anerkennung seiner fundamentalen Leistungen auf dem Gebiet der Magnetresonanztomographie und -spektroskopie mit bedeutenden Beiträgen zur nicht-invasiven Charakterisierung von Gewebeeigenschaften und deren Beziehung zur Physiologie des menschlichen Körpers. 
  • die Vetsuisse-Fakultät an René E. Honegger, in Anerkennung seiner Verdienste im Einsatz für eine artgerechte Haltung und Präsentation von Reptilien und Amphibien in Zoos. Mit zahlreichen Publikationen hat er einen international anerkannten Beitrag zum Tier- und Artenschutz geleistet.
  • die Philosophische Fakultät an Penny Boyes Braem, in Anerkennung ihrer Verdienste um die Förderung der Gebärdensprachforschung in der Schweiz. Das gilt insbesondere für ihre bahnbrechenden empirischen Studien zur Deutschschweizer Gebärdensprache und für ihr Engagement bei der Verbreitung gebärdensprachlinguistischer Erkenntnisse.
  • die Philosophische Fakultät an Prof. Susan Reynolds Whyte. Sie würdigt damit eine herausragende und engagierte Wissenschaftlerin, die empirisch, theoretisch und methodisch und mit Blick vor allem auf Afrika zentrale ethnologische Perspektiven auf soziale Themenfelder wie Behinderung, AIDS, Fragilität des Alterns, körperliche Sicherheit und Kriegsfolgen eröffnet hat.

Neuer Ständiger Ehrengast: Dirigent Johannes Schlaefli

Zum Ständigen Ehrengast der Universität Zürich ernannt wurde an der diesjährigen Feier

  • Johannes Schlaefli für sein Engagement, mit dem er über drei Jahrzehnte hinweg als Dirigent des Akademischen Orchesters gewirkt und dabei den Alltag der Universität mit unvergesslichen musikalischen Darbietungen auf hohem Niveau bereichert hat.

Lehrpreis der UZH und weitere Preise

Den diesjährigen Credit Suisse Award for Best Teaching erhielt

  • Prof. Heiko Hausendorf, Professor für Deutsche Sprachwissenschaft, Philosophische Fakultät, Deutsches Seminar, für sein gelungenes Lehren ausserhalb von Hörsaal und Seminarraum. Im Rahmen seiner Vorlesung «Linguistik der Kommunikation» im Hauptbahnhof Zürich leitete Hausendorf die Studierenden zur Durchführung von eigenen Untersuchungen an. Besonders beeindruckt waren die Studierenden von den verwendeten technischen Geräten sowie vom weit über das Übliche hinausgehende Engagement und der guten Vorbereitung des Dozenten. Mit viel Humor hat Professor Hausendorf theoretische und abstrakte Denkmodelle mit der Realität verknüpft und so den Studierenden die Beziehung von Theorie und Forschung mittels alltäglichen Vorgängen klar vor Augen geführt.

Das Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung ging an

  • Thomas Schrepfer

Der Wissenschaftspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung erhielt

  • Prof. Isabelle Schmitt-Opitz

Jahrespreise der Fakultäten 2014

Die Jahrespreise der Fakultäten 2014 erhielten

  • Kathrin Messner, Theologische Fakultät,
  • Frederik von Harbou, Rechtswissenschaftliche Fakultät,
  • Susanne Suter, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät,
  • Verena Dirks, Medizinische Fakultät,
  • Dr. Ann-Kathrin Brons, Vetsuisse-Fakultät,
  • Livia Isabella Schubiger, Philosophische Fakultät und
  • Jitin Bali, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät.