Neues Zentrum Künste und Kulturtheorie an der UZH

An der Universität Zürich hat das neu gegründete Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich seine Arbeit aufgenommen. Es versteht sich als Zusammenschluss von Forschenden aus den Literatur-, Kunst- und Filmwissenschaften, die das kulturtheoretische Potential ästhetischer Prozesse erforschen. Das Zentrum lädt am 7. April 2014 im Cabaret Voltaire zur Auftaktveranstaltung «Denkt Kunst» ein.

Die verschiedenen Künste sind stets Gegenstand, Spielwiese oder Anwendungsgebiet von Kulturtheorien – das gehört zum Alltagsgeschäft der Literatur-, Kunst- und Filmwissenschaften. Die Forscherinnen und Forscher des neuen Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) interessieren sich jedoch für eine andere Perspektive auf die Künste: nämlich für die Bedeutung künstlerischer Erkenntnis für die Herausbildung von Kulturtheorien. Dabei sollen die kritischen, selbstreflexiven und impulsgebenden Dimensionen der Künste in Neuzeit, Moderne und Gegenwart, aber auch aus globalhistorischer Perspektive aufgearbeitet werden. Die Künste sollen somit nicht bloss als Gegenstand von Theoriebildung betrachtet werden.

Stattdessen will das Zentrum den theoretischen Entwürfen und Denkmodellen nachgehen, die selbst immer wieder Anstösse dazu geben, überkommene Konzepte in den Wissenschaften zu überwinden. So wäre etwa die russische formale Schule in der Literaturwissenschaft ohne den russischen Futurismus kaum denkbar, ebensowenig das von Roland Barthes entwickelte Konzept der écriture ohne den Nouveau Roman sowie Innovationen im Bereich der Kybernetik und Chaostheorie ohne die gleichzeitigen Experimente der Neoavantgarde in Musik, Literatur und den bildenden Künsten.

Mit der Konzentration auf den kulturtheoretischen Charakter künstlerischer Praktiken zielt das ZKK auf die Auseinandersetzung mit den in den Künsten selbst bereits angelegten Theoriepotenzialen. Es soll darum gehen, die Fokussierung auf Gegenstand, Material und Verfahren unter neuen konzeptuellen Aspekten aufzunehmen und ihre Relevanz für die aktuellen kulturtheoretischen Debatten herauszustellen.

Sechs Professuren sind beteiligt

Kompetenzzentren sind wissenschaftliche Netzwerke, in welchen Universitätsinstitute oder Teilbereiche von Instituten ihre Arbeit unter strategischen Zielsetzungen koordinieren. Am Zentrum für Künste und Kulturtheorie der UZH sind leitend folgende sechs Lehrstühle der Universität Zürich beteiligt:

·       Jens Andermann, Professor für Iberoromanische Literaturwissenschaft

·       Elisabeth Bronfen, Professorin für Englische und Amerikanische Literaturwissenschaft am Englischen Seminar

·       Klaus Müller-Wille, Professor für Nordische Philologie am Deutschen Seminar

·       Sylvia Sasse, Professorin für Slavistische Literaturwissenschaft

·       Tristan Weddigen, Professor für Kunstgeschichte der Neuzeit am Kunsthistorischen Institut

·       Sandro Zanetti, Assistenzprofessor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

Die Leitung besteht aus einer Doppelspitze, die jährlich wechselt. 2014 sind dies Sylvia Sasse und Elisabeth Bronfen.

null «Denkt Kunst» – Auftaktveranstaltung des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) nullAm 7. April 2014 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire findet die Auftaktveranstaltung des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich statt: «Denkt Kunst». Das Gespräch mit Elisabeth Bronfen (Professorin Englisches Seminar UZH), Peter Geimer (Professor Kunsthistorisches Institut FU Berlin) und Dieter Mersch (Leiter Instituts für Theorie ZhdK) wird moderiert von Sylvia Sasse (Professorin Slavisches Seminar UZH) und markiert den Anfang einer Serie von Vorträgen, Workshops, Streitgesprächen und Anlässen des ZKK. «Denkt Kunst!» bedeutet, sie zuallererst denken zu lernen – das heisst, in Begriffen und Argumenten zu fassen, was sich vorderhand nicht in Form von Begriffen, sondern in Wahrnehmungsgestalten, Figuren, Klängen, Rhythmen und Konstellationen artikuliert. Denkt Kunst? Das bedeutet im Gegensatz dazu, die Frage zu stellen, ob die Kunst eine eigene, von den Wissenschaften zu unterscheidende Weise des Denkens darstellt und ob sie womöglich ein anderes, unbegriffliches Wissen generiert. null