Vontobel-Preis für vier junge Altersforscher

Nachwuchsforschende aus St. Gallen, Luzern und Zürich werden mit dem Vontobel-Preis für Altersforschung 2014 ausgezeichnet. Den mit 15000 Franken dotierten Preis erhalten Stephan Böhm zusammen mit Florian Kunze, je 7500 Franken erhalten Timo Hinrichs und Irene B. Meier. Der Preis der Familien-Vontobel-Stiftung wird heute Donnerstag anlässlich des 15. Gerontologietages vergeben.  

Den ersten Preis erhalten Stephan Böhm, Assistenzprofessor und Direktor des Center for Disability and Integration, Universität St. Gallen, und Florian Kunze, Assistenzprofessor am Institut für Führung und Personal­management der Universität St. Gallen. Zusammen haben sie untersucht, wie Unternehmen eine altersheterogene Belegschaft bestmöglich gestalten und einsetzen können. Sie zeigen, dass eine unternehmerische Praxis, die Altersdiversität fördert, sich auf das Unternehmensklima und die Zusammenarbeit im Betrieb auswirkt und erhebliche Effekte auf die Produktivität und Stabilität von Firmen hat. Die Arbeit belegt wissenschaftlich die Vorteile einer altersmischenden Personalpraxis. Sie zeigt auch, dass der demografische Wandel aus unternehmerischer Sicht keine nachteiligen Effekte hat oder haben muss.

Langfristige Wirkung der körperlichen Arbeit

Den zweiten Preis teilen sich Timo Hinrichs und Irene B. Meier. Hinrichs, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil und Lehrbeauftragter an der Universität Luzern, hat die langfristigen Effekte körperlicher Aktivität und Belastungen im mittleren Alter auf die Gesundheit im Alter untersucht. Mit einem Längsschnittverfahren über 28 Jahre konnte er zeigen, dass die Wirkungen anstrengender körperlicher Aktivität im höheren Alter davon abhängen, ob diese im Arbeits- oder Freizeitkontext im mittleren Alter ausgeübt wurden. Nicht die körperliche Aktivität an sich ist positiv, sondern Umfang und Kontext sind für die Stärke und Richtung des Effekts verantwortlich. Aus diesem überraschenden Befund lassen sich praktische Konsequenzen für die Arbeitsplatzgestaltung von heute mittelalten Personen ableiten, die bei diesen positive Auswirkungen auf die Gesundheit im höheren Alter erwarten lassen.

Irene B. Meier, PhD-Studentin am Psychologischen Institut und Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Zürich und des Taub Institute for Research on Alzheimer’s Disease and the Aging Brain an der Columbia University in New York, hat den Zusammenhang im Alter zwischen Mikroblutungen im Gehirn und handlungssteuernden kognitiven Funktionen untersucht. Sie zeigt, wie die lebenslange kognitive und motorische Aktivität von Personen mit der Struktur und Funktionalität des Gehirns zusammenhängen und wie die so entstanden Veränderungen des Gehirns wiederum die kognitiven Leistungen beeinflussen. Die Arbeit von Meier trägt dazu bei, dass in der Forschung zur Wirkung von Trainings zukünftig wesentlich gezielter Effekte bestimmt und raschere Fortschritte erzielt werden können.

Der Vontobel-Preis für Altersforschung

nullnullDer Vontobel-Preis für Altersforschung hat zum Ziel, die gerontologische Forschung aus allen Wissenschaftsgebieten mit einem Altersbezug zu fördern. Dabei soll der Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis, insbesondere die Erschliessung von Grundlagenwissen für die Praxis und praktischer Erfahrungen für die Forschung sowie die wissenschaftliche Überprüfung der gerontologischen Praxis unterstützt werden. Teilnahmeberechtigt sind Nachwuchsforscherinnen und -forscher, die in der Schweiz tätig sind oder sonst einen engen Bezug zur Schweiz aufweisen.null